Markt ist schuldenfrei!

Bürgermeister Karl Wellenhofer und Kämmerer Peter Hartl freuen sich, dass der Markt seit 01.03.2020 schuldenfrei ist.

 

Zum ersten Mal seit seinem Bestehen ist der Markt schuldenfrei

- Freude im Rathaus und beim Kämmerer – Interview mit 1. Bürgermeister Karl Wellenhofer -

 

Seit dem 1. Juli 1972 gibt es den Markt Mallersdorf-Pfaffenberg als Großgemeinde.  Eine Vielzahl an kommunalen Aufgaben ist man seither angegangen mit teils enormen finanziellen Aufwendungen. Wie andernorts auch zog dies natürlich auch die Aufnahme von diversen Darlehen nach sich, weil man mit den eigenen Haushaltsmitteln die Ausgaben oft nicht bestreiten konnte. Die Folge waren natürlich Schulden. Diese Altlasten sind seit dem 1. März 2020 allesamt getilgt. Der Markt gehört damit zu den 300- 400 Kommunen in Bayern die schuldenfrei sind.

 

Dies war Anlass für ein Interview mit 1. Bürgermeister Karl Wellenhofer.

Hier das Interview im Wortlaut.

 

Frage: Sie sind seit Jahren bekennender Biathlon-Fan. Bei der WM in Antholz zeigte sich wieder mal: Die „Null muss stehen", was bedeutet, dass man nur mit null Schießfehlern ganz vorne landet. Seit gestern steht beim Markt Mallersdorf-Pfaffenberg die symbolische „Null". Der Markt hat praktisch „null Schulden" und ist raus aus den „roten Zahlen".  Ihr Nachfolger hat  deshalb  einen guten ökonomischen Handlungsspielraum. Welches Gefühl macht sich bei Ihnen an diesem Tag breit, der ein Markstein in der kommunalen Geschichte sein wird. Ist es Freude, Stolz oder Zufriedenheit oder womöglich alles miteinander?

 

Karl Wellenhofer: Zufriedenheit ist hier das richtige Wort. Zufrieden, weil ein insgeheimes Ziel der letzten Jahre doch noch erreicht worden ist. Ich hatte es mir nicht fest vorgenommen, da es für mich immer wichtig war, effektiv zu investieren und gleichzeitig zu sparen. Nur sparen wäre falsch, die Gemeinde muss sich ja in allen Bereichen weiterentwickeln. Dank der guten Einnahmen ist es uns gelungen, den richtigen Mittelweg zu finden.

 

Frage: Wissen Sie noch, in welchem Jahr der Schuldenstand des Marktes am höchsten war?

 

Karl Wellenhofer: 1992 hatte der Markt umgerechnet fast 9 Millionen Euro Schulden nach hohen Ausgaben für das Baugebiet „Mitterlohe Ost" und für den neuen Bauhof bzw. für die Friedhofsmauer am Gandorferberg, um nur drei wichtige Maßnahmen zu nennen. Bei der Gebietsreform 1972 waren es 250.000 Euro und bei meinem Amtsantritt immerhin noch fast 7 Millionen Euro.

 

Frage: Es gibt ja nicht so viele Kommunen in Niederbayern, die von sich sagen können, dass sie schuldenfrei sind. Wenn ,dann sind dies Städte bzw. Gemeinden mit großer Industrie am Ort . Gibt es ein Geheimnis, wie es gerade Mallersdorf-Pfaffenberg geschafft hat, heuer seine Darlehen komplett getilgt zu haben und schuldenfrei zu sein?

 

Karl Wellenhofer: Ein Geheimnis gibt es nicht, aber durch die gute wirtschaftliche Lage hatten wir bei der Gewerbe- und Einkommensteuerbeteiligung sowie bei den Schlüsselzuweisungen des Freistaates Bayern konstant gute Einnahmen. Sehr wichtig war es auch, so viel wie möglich Fördergelder anzuzapfen. Dabei erinnere ich mich an ein Gespräch mit Staatssekretär Eck 2018 im Innenministerium, wodurch wir nach einer halben Stunde 10 Prozent mehr Förderung für das HDG erhalten haben. Und dies waren dann 750.000 Euro mehr. Letztlich konnten wir im Februar einen Kredit mit fast 120.000 Euro vorzeitig tilgen.

 

Frage: Die Grundsteuern A und B sowie die Gewerbesteuer sind die wichtigsten originären Einnahmequellen der Kommunen. Haben Sie jemals daran gedacht,  dem Marktgemeinderat den Vorschlag zu machen, den Hebesatz anzuheben, um die Einnahmen zu erhöhen bzw. den Haushalt zu konsolidieren? Schließlich gehört die gemeindliche Finanzhoheit zum Kernbereich des Selbstverwaltungsrechts.

 

Karl Wellenhofer: Diesen Vorschlag habe ich nie gemacht, de Hebesätze sind seit über 25 Jahren gleich geblieben. Es ist wichtig, dass sich die Betriebe und Geschäfte darauf verlassen können und selbst genügend Mittel haben, um zu investieren. Wenn es dann den Unternehmen gut geht, geht es auch der Marktkasse gut.

 

Frage: Die von den Gemeinden selbst zu erschließenden Einnahmequellen reichen ja bei weitem nicht aus, um ihre Aufgaben ordnungsgemäß erfüllen zu können. Über den kommunalen Finanzausgleich fließen den Städten und Gemeinden ja jedes Jahr weitere Geldmittel zu und die sind nicht unerheblich. In diesem System erhält daher eine finanzschwache Kommune Ausgleichszahlungen, um die Ausgaben im Haushalt decken zu können. Ist es nicht etwas paradox, dass künftig der Markt bei  diesen Finanzzuweisungen weniger Geld bekommt, weil er finanziell topp dasteht? Immerhin gibt es ja auch Experten, die meinen, wer die Deckungslücke im Haushalt aus eigener Kraft am deutlichsten verringert und bei der Entschuldung am erfolgreichsten war, erhält größere Zuwendungen.

 

Karl Wellenhofer: Im ersten Moment und wenn man zu den Gemeinden gehört, die weniger oder gar nichts mehr vom Staat bekommen, sieht es so aus. Wenn ich aber an die Zeiten vor fünf bis zehn Jahren denke, so bin ich froh, dass der Staat uns mit hohen Finanzzuweisungen geholfen hat.

 

Frage: Beim Markt stehen einige Großprojekte an, wie das neue Rathaus und mittelfristig die Generalsanierung der Grund- und Mittelschule St. Martin. Dies verschlingt Millionen. Wann wird Ihrer Schätzung nach das Gütesiegel „schuldenfrei" nicht mehr gelten, weil man wieder Darlehen aufnehmen muss?

 

Karl Wellenhofer: Zur Schuldenfreiheit kommt hinzu, dass wir auch eine Rücklage in Höhe von ca. 7,5 Millionen Euro angespart haben. Mit dieser Summe kann man auch das neue Rathaus bezahlen. Für die Sanierung der Grund- und Mittelschule rechnet man mit mindestens zehn Millionen Euro, bei einer Förderung von vermutlich 50 Prozent. Und dazu kommen noch viele weitere Aufgaben. Es wird also nicht leicht werden, diese „Null" zu halten. Auf der anderen Seite bekommen Kommunen zurzeit einen Kredit mit unter 0,5 Prozent und dann muss man in dieser Situation so eine Chance eventuell nutzen, um wenigstens so gut wie keine Zinsen zahlen zu müssen. Wenn die Investition für den Markt notwendig ist, dann muss man auch diesen Schritt zu einem neuen Kredit gehen.

 

Frage: Vieles ist geschehen, auf dem Hoch- und Tiefbausektor des Marktes. Welches Projekt ist denn in den 18 Jahren Ihrer Amtszeit am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben, sei es positiv oder womöglich auch negativ?

 

Karl Wellenhofer: Da gibt es eigentlich mehrere Projekte: Der Abschluss der Kanalisation in den Ortsteilen, die Erweiterung der Kläranlage, die Übernahme des Kindergartens mit Umbau und die Errichtung einer Krippe, der Einstieg in die Städtebauförderung und in die Dorferneuerung.  Dazu gehören auch der Bau des HDG, das man sich heute gar nicht mehr wegdenken könnte , die Sanierung der Schulturnhalle und zudem der Neubau einer Mensa oder die Planung für das neue Rathaus. Für all das haben wir in den letzten 18 Jahren immerhin fast 60 Millionen Euro aufgewendet.

 

Frage: Nach 18 Jahren als 1. Bürgermeister kandidieren Sie bei den nächsten Wahlen nicht mehr, sondern gehen zum 30. April in den Ruhestand. Gar mancher spricht von einer Mallersdorf-Pfaffenberger Zeitenwende.  Mit welchem Gefühl verlassen Sie an Ihrem letzten Arbeitstag das Rathaus?

 

Karl Wellenhofer: Welches Gefühl ich da habe, weiß ich noch nicht genau, da bis jetzt noch jeder Tag voll ausgefüllt ist. Da ich das Amt auch heute noch mit vollem Einsatz mache, wird sicher auch Wehmut dabei sein. Schließlich geht es dann ja auch in den Ruhestand und nicht in einen anderen Job. Die ansteigende Bürokratie, immer mehr Vorschriften und so manche negativen Ereignisse bestätigen mich aber auch, dass es die richtige Entscheidung war, mit 64 Jahren das Amt in jüngere Hände zu legen.

 

Frage: Gibt es einen finanztechnischen oder sonstigen Ratschlag, den Sie Ihrem Nachfolger, der ja noch nicht feststeht, mit auf den weiteren Weg geben wollen?

 

Karl Wellenhofer: Ich habe mich immer daran gehalten, nicht mehr Geld auszugeben, als man hat. Klingt eigentlich ganz einfach, aber um letztlich einen effektiven Haushalt aufzustellen, bedarf es jedes Jahr viel Vorarbeit, nach Bedarf richtig zu investieren und frühzeitig die Förderungen zu beantragen. Auch unserer Kämmerer Peter Hartl hat dies immer so gehandhabt und hat zusammen mit der gesamten Verwaltung an diesem Ergebnis großen Anteil, ebenso die Marktgemeinderäte, die dies überwiegend mitgetragen haben. Also ein Gesamtwerk. Man braucht auch ein bisschen Glück und auf der anderen Seite Mut zu neuen Ideen oder zum Risiko. Bürgermeister ist ein sehr schönes Amt und man muss es jeden Tag gerne machen. Es braucht aber auch viel Kraft und Zeit. In diesem Sinne wünsche ich meinem Nachfolger viel Spaß und Durchhaltevermögen.

 

Interview: Alois Lederer